„Ich würde mir wünschen, dass es in Wissenschaft und Hochschule mehr Menschen vom Typ Helmut Bremer gibt!“
Eindrücke (ehemaliger) Doktorand*innen von Helmut Bremer

Helmut Bremer hat viele Doktorand*innen als Betreuer auf ihrem Weg zur Promotion in vielfältiger Weise unterstützt. Teil davon sind regelmäßig stattfindende Kolloquien. Was aktuelle und ehemalige Doktorand*innen daraus mitnehmen, was sie damit verbinden und was die typische Atmosphäre der Kolloquien widerspiegelt, das wollen wir in diesem Beitrag entlang der Stimmen der Doktorand*innen einfangen.


Inhaltsverzeichnis

  1. Einstieg: Promotion bei Helmut Bremer im Kontext der Habitus- und Milieuforschung
  2. Stimmen von Doktorand*innen
    1. Der Zugang zur Promotion und Betreuung: Eine besondere Art des ‚Gesehenwerdens‘
    2. Die Begleitung durch Helmut: was sie ausmacht
    3. Struktur und Organisation des Dokto-Tags
    4. Atmosphäre und Kultur: Die Mitwirkung aller Beteiligten im Doktorand*innen-Kolloquium
  3. Schlussworte und Dankeschön

1. Einstieg: Promotion bei Helmut Bremer im Kontext der Habitus- und Milieuforschung

Als Erstbetreuer hat Helmut Bremer viele Doktorand*innen bei ihrer Promotion begleitet und stand mit Rat und Tat an ihrer Seite. Dies umfasste einen intensiven mehrjährigen Prozess, in dem er die Doktorand*innen auf eine besondere Weise unterstützt hat. Es entstanden menschliche Verbindungen, die sich durch vielfältige Erinnerungen gezeigt haben. Die Personen, die bei ihm promovieren bzw. promoviert haben, sind durch unterschiedliche Wege zu ihm und damit zur Habitus- und Milieuforschung gekommen: Über persönliche Kontakte, als Studierende und studentische Mitarbeitende, über die Zusammenarbeit an verschiedenen Hochschulen Universitäten und daraus hervorgegangene thematische Annäherungen etc.

Die einzelnen Promotionsprojekte sind unterschiedlich thematisch und disziplinär verortet: Von Studierendenforschung über Forschungen im Bereich Alphabetisierung/Grundbildung bis hin zu Engagementforschung, politischer Bildung und Professionsforschung sowie einige mehr. Die verbindende Klammer bildet hier meist die Perspektive der Habitus- und Milieuforschung und der methodisch-methodologische Ansatz der Habitushermeneutik.1Bremer, Helmut; Teiwes-Kügler, Christel & Lange-Vester, Andrea (2019). Habitus-Hermeneutik. In R.-T. Kramer & H. Pallesen (Hrsg.), Lehrerhabitus. Klinkhardt, S. 263-284. Wie dieser Blog verrät, geht es darum, dem Habitus in den unterschiedlichen Kontexten ‚auf die Spur zu kommen‘.

Teil von dem Prozess der Promotionsbetreuung und -begleitung ist zudem das halbjährlich stattfindende Doktorand*innenkolloquium (auch ‚Dokto-Tag‘ genannt), bei dem sich die Beteiligten über ihren aktuellen Stand und weitere Fragen austauschen, vorab Entwurfskapitel verschicken, erste Zwischenergebnisse präsentieren oder empirisches Material zur gemeinsamen Auswertung einbringen. 

In Form von Eindrücken und Gedanken haben Doktorand*innen in diesem Blogbeitrag ihre Erfahrungen in der Begleitung durch Helmut Bremer und mit dem Dokto-Tag festgehalten. Entlang von zentralen Themen werden nun Auszüge aus diesen Beiträgen strukturiert präsentiert und dabei die jeweiligen Zitate und Darstellungsformen eingebunden. Wir freuen uns, damit den Erfahrungen und Perspektiven aus der Betreuung durch Helmut Bremer und der gemeinsamen Arbeit an den Promotionsprojekten einen Raum zu geben und bedanken uns für die vielfältigen Einreichungen. 

2. Stimmen von Doktorand*innen

2.1 Der Zugang zur Promotion und Betreuung: Eine besondere Art des ‚Gesehenwerdens‘

In einigen Beiträgen werden die Zugänge zum Promovieren und der Kontakt zu Helmut beschrieben sowie die Verbindung zur eigenen sozialen Herkunft hergestellt. Hier werden Helmut und der gemeinsame Kontext als bedeutsam und unterstützend wahrgenommen. Dies wird besonders in einem Beitrag ins Verhältnis zur Herkunftsfamilie und den Herausforderungen in Bezug auf das akademische Feld gesetzt. So berichtet Kerstin Heil entlang ihrer eigenen Erfahrungen in der Herkunftsfamilie und Promotion:

„Mein akademischer Werdegang wurde von familiärer Seite aus immer mit Skepsis und mit komplettem Unverständnis begegnet. Es gab nie inhaltliche Nachfragen und wenn doch Interesse signalisiert wurde, dann an den Rahmenbedingungen, sprich Verdienst und Dauer der Beschäftigung und natürlich die Frage ‚Wann bist du denn eigentlich mal fertig?‘. Oben drauf immer diese Selbstzweifel und das Gefühl nicht so richtig rein zu passen, weder ins akademische noch ins familiäre Umfeld. Und dann auch noch das Hangeln von einer befristeten Stelle zur nächsten. Das alles ist auf Dauer wirklich anstrengend! Umso wichtiger ist es, Unterstützungsstrukturen aufzubauen und Support zu bekommen, um im akademischen Feld nicht völlig ‚lost‘ zu sein und da kommt dann auch Helmut Bremer ins Spiel. Durch die Zusammenarbeit beim Projekt STHAGE, durch die Betreuung meiner Diss, durch das überregionale Kolloquium Habitus und Milieu ist Helmut sowas wie eine Konstante.“

Auch von Natalie Pape wird dieser Zugang zur Promotion in der Rückschau auf die eigenen Studienerfahrungen und damit verbundenen Herausforderungen hervorgehoben:

„Ganz konkret fing das bei mir bereits im Studium an und schaffte einen wohl entscheidenden Wendepunkt. Ich fühlte mich im Studium die meiste Zeit fremd. Dann gab es diese Situation in einer Interpretationsrunde mit Helmut, der meine Deutung zu einer Sequenz aufgriff und bestärkte. Diese Erfahrung trug entscheidend dazu bei, dass ich mich für den Studienschwerpunkt empirische Forschungsmethoden entschieden habe. Überhaupt waren die Seminare zur Habitus- und Milieuforschung immer etwas ganz Besonderes für mich. Die intensive Arbeit am Material, das gemeinsame Auswerten und die umfangreichen Rückmeldungen, die ich schon damals nicht als selbstverständlich empfand (heute weiß ich auch, wie viel Arbeit das ist 😉), haben mich im Studium wirklich weitergebracht. Ich verbinde mit dieser besonderen Art des ‚Gesehenwerdens‘ zudem viele weitere Ermutigungen und konstruktives Feedback (auch zu meinem eigenen Habitus 😉). Eine Promotion hätte ich ohne Helmuts Zuspruch wahrscheinlich nicht in Angriff genommen.“

Konkrete Erfahrungen werden auch in Bezug auf das erste Kennenlernen und den Start in die Promotion von Lena Loge geschildert:

„Das erste persönliche Kennenlernen von Helmut hat schon im ersten Moment viel über ihn und seine Art verraten. Beim Kolloquium in Hannover hatte ich mich ihm – voller Nervosität und Unsicherheit – vorgestellt, ihn samt ‚Herr Prof. Dr.‘ ganz standesgemäß angesprochen und mich bei ihm vielmals für die Einladung bedankt. Er grinsend, kurz, bündig, voller Gelassenheit und ohne jeden Standesdünkel: ‚Hi Lena, ich bin Helmut.‘“

Abb. 1: Helmut Bremer, Lena Loge und Yvonne Haffner bei Lenas erfolgreicher Disputation, 2020

Mara Wahl stellt diesen Prozess entlang eines szenischen Ablaufs mit dem Titel „Exposé und andere Nervenkonstruktionen“ dar, bei dem das Verhältnis zwischen Anspannung und gleichzeitigem Zutrauen deutlich wird: 

„Exposé und andere Nervenkonstruktionen“

Kontaktaufnahme
Suche nach einem Erstgutachten, Name gefunden: Helmut Bremer. Ganz am Anfang der Promotion. Ich bin nervös und in meinem Kopf ziemlich laute Fragen: Kann ich das? Werde ich das schaffen? Trägt mein Vorhaben?
E-Mail am 14.07.2023 abgeschickt, Exposé angehängt. Auf einer Skala von 1–10 (Nervosität hoch = 10) liege ich stabil bei 13. Dann warten. Warten. Weiterwarten.

Bing!
„Eine neue Mail im Postfach.“ Nervosität springt auf 23.
Rückmeldung: „vielen Dank für das Exposé!“
Die innere Kurve steigt weiter.
melde mich, wenn ich es gelesen habe. Es ist auf jeden Fall schon sehr ausführlich und sieht nach viel investierter Arbeit aus!
Ein kurzer Moment der Erleichterung. Dann der Reality-Check: wieder warten. Nervosität sinkt auf –2, mit offenem Ende.

Temporäre Schwebe, Überarbeitungen und Annahme des Exposés
Nach Zeiten temporärer Schwebe und einem ping-pong aus akademischem Mut und Habitusvorsicht dann der Einblick in die Rückmeldung zum Exposé. 

Bing! Neue Mail im Postfach. Von –2 direkt auf 50. Rückmeldung zum Exposé.
Gedanken rotieren in Sekunden: oh oh – vielleicht ist es nicht so schlimm – erstmal gucken.
Strategie: alles überfliegen, Gesamtfazit zuerst, es wird schon schiefgehen.

Kommentar lesen: „Insgesamt: Wow, da steckt schon eine Menge drin – toll, was Du da zusammengestellt hast! Es liest sich auch sehr gut!
Nervosität stabilisiert sich bei einer soliden 10. Voll okay. Nervensystem fährt runter, ich freue mich. Dann alle Kommentare im Einzelnen.

Prozesslogik und Finalisierung: Zehn Minuten später: inspiriert am Tippen, Überarbeiten, Integrieren, Recherchieren, Nachlesen, Korrigieren. 202 Stunden und 16 Minuten später: Überarbeitungen finalisiert und wieder eine Mail geschickt. – Warten. Einmal Zeitsprung, dramaturgische Vereinfachung: „Exposé angenommen, los geht’s.“

Sibylle Künzli Kläger beschreibt, dass sie Helmut an der „Frühjahrstagung ‚Wovon die PISA-Studie nichts weiss: mikrosoziologische Zugänge zu Bildung und sozialer Ungleichheit‘ der Sektion ‚Bildung und Erziehung‘ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Augsburg im Mai 2006“ kennengelernt hat. Hier präsentierte Sibylle gemeinsam mit Kolleg*innen aus einem Forschungsprojekt. Sie beschreibt daran anknüpfend: 

„Ich weiss noch, wie ich sehr grossen Respekt vor der Präsentation hatte, besonders als noch ungeübte Forscherin bzw. nach schwierigen Erfahrungen im vorangehenden Studium. Meine Bedenken waren zwar bei mir nicht weggewischt, aber wir haben damals viel Zuspruch und unterstützende Hinweise erhalten, so dass ich im Nachgang allmählich meine Leidenschaft der qualitativen Forschung an der PH Zürich verfolgen konnte. Erfahrungen, wie diese, haben mich zudem unterstützt, meinen Weg in der Habitus- und Milieuforschung weiterzugehen, bei allen Umwegen oder Abweichungen. Für mich war damals überaus klar, dass ich mir eine Promotion nur bei Helmut Bremer oder Andrea Lange-Vester vorstellen konnte.“

Katrin Häuser benennt diese Offenheit und Bereitschaft als entscheidende Faktoren für den Zugang zur Promotion:

„Helmuts Offenheit für mein Vorhaben hat mich bestärkt. Ich hatte das Gefühl, dass eine Promotion für mich tatsächlich im Rahmen des Möglichen ist. Durch den Kontakt zu Tim Zosel kam ich zu dem Doktorand*innen-Kolloquium bei Helmut. Beim ersten Besuch habe ich mich direkt angenommen, wertgeschätzt und sehr wohlgefühlt.“

Tim Zosel beschreibt, dass Helmut Bremers willkommen heißende Art ihm Energie für seine Promotion gegeben hat:

„Seminare bei Helmut Bremer und auch sein Doktorand*innen-Kolloquium gaben mir das Gefühl, mit meinen Themen und Interessen ‚okay‘ zu sein. Er signalisierte eine große Offenheit auch für neue und internationale Kontexte – gleichzeitig interessierte mich seine Expertise. Dieses geradezu antiautoritäre Zutrauen in mich und meine Themen hat mir sehr viel Energie gegeben.“

Was hier in den Beiträgen deutlich wurde: Das ‚Wie‘ im Kennenlernen und Zugang zur Promotion über Helmut Bremer spielt eine bedeutende Rolle für die Doktorand*innen. Der Kontakt zu ihm bildet dabei in den genannten Beiträgen auch einen Gegenpol zu den Herausforderungen und den teils bedeutsamen Fremdheitserfahrungen in der akademischen Welt. Sie zeigen aber auch auf, dass der persönliche Zugang, das „Gesehenwerden“ und die Nahbarkeit durch Helmut Bremer maßgeblich für den Zugang zur Promotion und damit auch für das Zutrauen in das eigene Promotionsprojekt ist. 

2.2 Die Begleitung durch Helmut: was sie ausmacht 

Hervorgehoben wird in vielen Beiträgen die bestärkende Art und die Unterstützung auf Augenhöhe sowie das gleichzeitige Interesse am Thema und die Arbeit an der Sache:

Durch Helmut betreut zu werden heißt, dass die eigenen wissenschaftlichen Ideen und Gedanken auf Offenheit und Interesse stoßen und ich mich gut aufgehoben fühle. Er schafft es, gute Denkanstöße zu geben, ohne mir die Richtung fest vorzuschreiben – dadurch fühle ich mich ermutigt, eigenständig zu arbeiten. Dadurch entsteht Raum für eigenes Forschen, Entwicklung und Vertrauen in die eigenen Ideen.“ Johanna Deuke

„Was ich mit der Promotion bei Helmut verbinde, ist, mich unter seiner Begleitung und beim Dokto-Tag immer bedingungslos willkommen und zugleich fachlich sehr anspruchsvoll begleitet gefühlt zu haben. Es war immer gewünscht, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und Dinge auch mal in ein anderes Licht zu rücken. Um ‚richtig‘ oder ‚falsch‘, geschweige denn um ‚besser‘ oder ‚schneller‘ ging es nie, sondern um die gemeinsame Arbeit am Material, am Projekt, der gemeinsamen theoretischen Brille und an der gegenseitigen Stärkung.“ – Lena Loge

„Wenn ich heute auf diesen Beginn zurückblicke, verbinde ich die Promotion bei Helmut mit einer Haltung: Ruhe, eine klare Orientierung an Präzision und das Vertrauen, dass sich Unsicherheiten bearbeiten lassen – ‚Kritik‘ als Angebot, nicht als Abwertung; kein Defizitblick, sondern Wertschätzung und Wohlwollen. Ich nehme das auch im Kolloquium so wahr: Es geht nicht darum, Glanzfassaden zu stabilisieren, sondern Denkwege freizulegen.“ Mara Wahl

„Helmuts Begleitung während der Promotionszeit bot eine durchgängige Verlässlichkeit und Beständigkeit und gab mir das Gefühl, diesen langen Prozess irgendwann mal erfolgreich abschließen zu können. Dabei gab Helmut keine Richtung vor, sondern unterstützte mich mit den richtigen Fragen, selbst ins Weiterdenken zu kommen.“ Vera Miesen

„Ganz besonders hängen geblieben ist mir Helmuts Rat ‚eine Nuss nach der anderen‘ zu knacken, wenn alles wieder zu viel wird und man nicht weiß, wohin mit dem Kopf. Diese Gelassenheit bekam ich häufig von Helmut gespiegelt. Alles erscheint nach einem Gespräch mit ihm doch halb so schlimm, wie man es sich vorher ausmalte. Daher verbinde ich die Promotion bei Helmut mit dem Gefühl, dass all das, was man in dem eigenen Tempo tut, auch richtig und genug ist. Und dass es immer jemanden geben wird, der die eigene Arbeit besser einschätzt als man selbst.“ – Songül Cora

Heidrun Schneider hat diese Einschätzung neben schriftlichen Eindrücken konkret in einer statistischen Darstellung festgehalten: 

„Besonders gut gefällt mir seine (methodische und inhaltliche) Offenheit. Er versucht dabei immer, jede*n Einzelne*n zu sehen. Auch als externe Promovendin habe ich bei ihm jederzeit das Gefühl mittendrin zu sein. Ich habe nachfolgend mal versucht, das mit Hilfe der National Academics Panel Study des DZHW abzubilden (Itemauswahl).“

Abb. 2: Einblicke in die Evaluation: Top!

Ob in Form von schriftlichen Reflexionen oder einer statistischen Aufbereitung, deutlich wird in den unterschiedlichen Beiträgen, wie bedeutsam der wertschätzende Umgang und die Unterstützung auf Augenhöhe bei gleichzeitiger wissenschaftlicher Tiefe und das Einlassen auf das jeweilige Promotionsthema war bzw. ist. Hervorgehoben wird in allen Beiträgen, dass sich die Doktorand*innen nicht in ein Korsett des vermeintlich richtigen Promovierens gezwängt fühl(t)en, sondern im Gegenteil der Druck durch die spezifische Betreuung rausgenommen wird/wurde: nicht „die Richtung fest vorzuschreiben“, „Um ‚richtig‘ oder ‚falsch‘, geschweige denn um ‚besser‘ oder ‚schneller‘ ging es nie“ und: „dass all das, was man in dem eigenen Tempo tut, auch richtig und genug ist.“

2.3 Struktur und Organisation des Dokto-Tags 

Einige Beiträge beziehen sich explizit auf die Struktur und Organisation der Kolloquien, greifen dabei den konkreten Anlass des Zusammenkommens sowie typische Merkmale dieses Treffens auf: 

„Mir gefällt am allerbesten, dass Helmut mit den Dokto-Tagen kontinuierlich Anlässe schafft, wo wir Doktorand*innen und Postdoktorand*innen zusammenkommen und uns austauschen können.“ Heidrun Schneider

Im Kolloquium beschäftigen wir uns immer mit gemeinsamen theoretischen Grundlagen, die uns verbinden, auch wenn jede Promotion andere Themenschwerpunkte setzt. Gerade diese gemeinsame theoretische Basis bei gleichzeitig unterschiedlichen Perspektiven macht die Diskussionen besonders spannend und ergiebig.“ Johanna Deuke

„Die Dokto-Tage in Essen bei Helmut zeichnen sich durch ein immer wieder beeindruckendes Zeitmanagement aus. Während der Rahmen meist von den Zugverbindungen vorgegeben ist, damit alle hin- und wieder zurückkommen, werden die Zeitslots – abgesehen von einer gemeinsamen Mittagspause – maximal mit Beiträgen ausgeschöpft, selbst wenn doch mal jemand kurzfristig absagt. Dann ergeben unabgestimmt verschiedene kleinste Verzögerungen in den Beiträgen am Ende wieder die genaue Einhaltung des Zeitrahmens. Es ist immer wieder erstaunlich, dass an einem Tag überhaupt allen Doktorand*innen von Helmut Zeit eingeräumt werden kann.“ – Martin Schmidt

„Helmut hat die Kolloquien immer selbst organisiert – er hat uns dazu eingeladen, er hat um Rückmeldungen zur Teilnahme gebeten, er hat die Terminplanung abgestimmt und darauf geachtet, dass jede*r einen Slot bekommt. Und dann hat er auch selbst moderiert. Das hat mir gezeigt, wie viel Wert ihm das ist und wie Verbindung und Verbindlichkeit miteinander zusammenhängen. Die Ansprüche waren immer hoch, die Forschung wurde nie zum Selbstzweck durchgeführt, es ging darum die Muster der sozialen Praxis zu entschlüsseln. Empirisches Material – das Kapital im Kolloquium – war immer gerne gesehen, alle hatten Lust aufs Auswerten und haben sich in die jeweiligen Projekte reingekniet.“ – Tim Zosel

Diese Zusammenkünfte führten auch zu darüberhinausgehenden selbstorganisierten Runden, die die Bindungen zwischen den Doktorand*innen stärken konnten:

In diesem Kolloquium ist dann eine Auswertungsgruppe in Essen entstanden bestehend aus Tim Zosel, Vera Miesen und mir. Das ‚Mini-Kolloquium‘ war geboren. Wobei es mehr als eine reine Auswertungsgruppe war und auch heute noch für mich ist. Wir haben uns unterstützt, gestärkt und viel gelacht. Das gemeinsame Forschen, Dokumentieren und Reflektieren in einer so freundschaftlichen Weise haben mir Spaß gemacht. Durch Helmut haben wir diesen Raum und diese Verbindung bekommen.“ – Katrin Häuser

Deutlich wird die verbindende Klammer über die unterschiedlichen Themen hinweg sowie die Bedeutung dieses regelmäßigen und strukturierten Zusammenkommens, bei dem jede*r Zeit und Raum für das eigene Projekt bekommt.

2.4 Atmosphäre und Kultur: Die Mitwirkung aller Beteiligten im Doktorand*innen-Kolloquium

In vielen Beiträgen tauchen angelehnt an die Impulsfrage vielfältige Eindrücke zu den Kolloquien auf, wie diese gestaltet und von den Doktorand*innen erlebt werden:

„Den Dokto-Tag nehme ich allgemein als einen Raum wahr, indem alle Personen genug Zeit und Raum bekommen, über ihren eigenen Stand zu sprechen, Fragen und Irritationen einzubringen und von den anderen unterstützt zu werden. Der Dokto-Tag ist auch für mich immer ein Anker, weil ich weiß, dass meine Fragen und Themen spätestens dort einen Platz finden. Dokto-Tag ist immer auch etwas Gemeinsames, gemeinsam an dem Thema arbeiten, sich austauschen, quatschen, gemeinsam Essen und lachen und zu wissen: Hinter den Diss-Projekten stecken auch immer Personen mit ganz persönlichen und alltäglichen Herausforderungen und Situationen. “ – Catrin Opheys

„Der Doktorand*innen-Tag, zweimal im Jahr immer ein wichtiger Termin, der Ort zum Diskutieren vom Projekt, um es weiter voranzubringen, es inhaltlich zu schärfen, manchmal auch das Abbiegen in Nebenschauplätze zu korrigieren. Der Austausch gemeinschaftlich, partizipativ und Helmut als Mentor immer mittendrin.“ – Kerstin Heil

„Den Austausch an den Dokto-Tagen würde ich als konzentriert, ehrlich, fair und kritisch und vor allem auf Augenhöhe beschreiben. Wie auch bei einer habitus-hermeneutischen Auswertung können alle gleichberechtigt etwas beitragen. Manchmal fühlt es sich auch so an, als ob die vorher (meist doch etwas zu spät per Mail versandten) Texte sequenzanalytisch gelesen wurden. So entgeht dem kritischen Urteil des Kreises der Doktorand*innen und Helmut selten etwas und wenn doch einmal weniger Zeit bleibt alles im Detail auszudiskutieren, gibt es immer auch noch eine schriftliche Rückmeldung im Nachgang von Helmut per Mail. Das beeindruckt mich immer wieder.“ – Martin Schmidt

„Ich erlebe die Dokto-Tage immerzu als sehr angenehm und wohlwollend. Ich schätze die äusserst wertschätzende Atmosphäre sehr, die mir das Gefühl vermittelt, dass alle, nicht nur meine eigenen Anliegen ernstgenommen werden. Durch die sehr hilfreichen, unterstützenden Rückmeldungen, auch an andere Doktorierende, habe ich viel gelernt und lerne immer noch dazu, zum Beispiel auch mal etwas stehen zu lassen, nicht restlos alles durchdenken zu müssen und übe mich in mehr Gelassenheit. Ganz herzlichen Dank für alles, auch für die ‚Znacht’ essen und die weiterführenden Diskussionen.“ – Sibylle Künzli Kläger

„Gerade für mich als Bildungsaufsteigerin waren die vielen Rückmeldungsgespräche, in denen ich neben dem hilfreichen fachlichen Feedback immer das Gefühl hatte, offen sprechen zu können, von unschätzbarem Wert. Diese Kultur fand ich auch in Helmuts Dissertationskolloquium wieder. Wo viele Kolloquien nicht selten einmal zur Bühne für Selbstdarstellung werden, gab es in Helmuts Kolloquium für mich immer einen Raum für konstruktiven offenen Austausch und eine tolle Gemeinschaft unter den Promovierenden.“ – Natalie Pape

 „Ich habe selten einen Arbeitskontext dermaßen jenseits von Ellbogenmentalität erlebt. Das auch besonders zwischen den Promovierenden und in einer Arbeitsatmosphäre, die ohne Helmut so nicht denkbar gewesen wäre.“ – Lena Loge

„Die regelmäßigen von Helmut organisierten Dokto-Tage waren geprägt durch eine offene, wertschätzende Atmosphäre. Hier ging es nicht um Selbstdarstellung und auch nicht darum, immer die richtigen Antworten parat zu haben, sondern um ein gemeinsames Reflektieren, Fragen stellen und Einholen unterschiedlicher Perspektiven.“ Vera Miesen

Abb. 3: Vera Miesen bei ihrem Disputationsvortrag, 2022

Man kann sich darauf gefasst machen, dass andere sich für die eigene Arbeit nicht nur interessieren und sie wertschätzen, sondern über den Austausch eigener Erfahrungen unter die Arme greifen und auch immer dazu ermutigen, dranzubleiben.“ – Songül Cora

„Wie Kollegialität, Freundschaft und intensiver inhaltlicher Austausch, teils auch Kontroversen, bestens zusammengehen können, erstaunt mich bei den Kolloquien immer wieder. Ich bin sehr dankbar für die vielen Anregungen, die ich bekommen habe und auch für die, die ich entwickeln und geben konnte. Gern denke ich auch an die vielen Tagungen und Workshops zurück, auf denen wir gemeinsam ‚aufgetreten‘ sind.“ – Tim Zosel

Mitglieder des Doktorand*innenkolloquiums und des Habitus-Milieu-Kolloquiums an der PH Zürich, 2023

Die Kolloquien waren somit nicht nur zur zeitlichen und organisatorischen Strukturierung der Promotionsprojekte ein Anker, sondern ermöglichten entgegen einer „Ellenbogenmentalität“ etwas „Gemeinsames“, ein Miteinander „auf Augenhöhe“, das „partizipativ“ gestaltetet ist. Betont wurde das Gemeinsame und Ermutigende, sei es im Lesen und Kommentieren der eingereichten Texte, der Diskussion der Projekte vor Ort und der Austausch über persönliche Situationen und Herausforderungen. Diese Atmosphäre wird als Ergebnis aller Beteiligten hervorgehoben, dessen Entstehung an den durch Helmut Bremer gestalteten Rahmen geknüpft wird. 

3. Schlussworte und Dankeschön 

Die Erfahrungen im Rahmen der Promotion und den Kolloquien verdeutlichen, wie maßgeblich das Herstellen einer gemeinsamen, offenen Atmosphäre auf Augenhöhe, ein echtes Interesse und die gemeinsame Arbeit an der Sache ist. Oder wie es diese Zitate noch besser auf den Punkt bringen: 

Ja was soll ich noch sagen? Ich bin sehr froh darüber, dass ich Helmut kennengelernt habe und ich würde mir wünschen, dass es in Wissenschaft und Hochschule mehr Menschen vom Typ Helmut Bremer gibt!“ Kerstin Heil

Abb. 5: Hoch die Gläser: Disputationsfeier von Kerstin Heil, 2024

Die über 15jährige Begleitung von Helmut während meiner Studien- und Promotionszeit hat Spuren hinterlassen und meinen Blick auf die Welt verändert, denn ich habe gemerkt: Die Habitus- und Milieubrille kann man nicht nach Belieben auf- und absetzen. Sie begleitet mich bei meiner Arbeit und im Alltag und eröffnet damit immer wieder neue Perspektiven.“ Vera Miesen

„Und abschließend noch – wenn ich Helmut mit drei ‚Elementarkategorien‘ beschreiben müsste, dann wären das: ideell, egalitär & gemeinschaftlich! 😊“ Lena Loge

Wir möchten Danke sagen: Danke, dass wir durch Dich, lieber Helmut, einen Menschen an der Seite hatten und haben, der im wissenschaftlichen Feld nicht nur bereits plattgetretene Pfaden gefolgt ist, sondern auch neue Wege eröffnet hat. Der immer eine schöne Verbindung zwischen der Arbeit an der Sache und der persönlichen Begleitung und Unterstützung auf Augenhöhe geschaffen hat, aber auch dazu anregte, nicht jedes ‚Nebengleis‘ der Promotion zum Hauptgleis zu machen, eine Nuss nach der anderen zu knacken und einen Exkurs auch mal bleiben zu lassen. Wir möchten uns stellvertretend für alle Doktorand*innen für die gemeinsame Zeit bedanken:

Promovieren ist eine langwierige Sache, braucht Zugänge, starke Nerven, eine Menge Selbstvertrauen und Mut – durch dich, lieber Helmut, wurde der Weg etwas klarer, die Begleitung angenehm, bei holprigem Untergrund gestützt und es gab genug Pausenstellen zum Durchatmen und Krafttanken. 

1. Spalte: Heidrun Schneider (©Studioline), Songül Cora (privat), Sibylle Künzli-Kläger (privat), 2. Spalte: Martin Schmidt (©The Photography Art by A. Balleier), Vera Miesen (privat); 3. Spalte: Catrin Opheys (©Ahmad), Kerstin Heil (privat), Tim Zosel (©Ahmad)

Ehemalige und aktuelle Doktorand*innen

Ferhad Ahmad       

Katrin Häuser

Felix Ludwig

Catrin Opheys

Martin Schmidt

Songül Cora

Kerstin Heil 

Lena Loge

Natalie Pape

Mara Wahl 

Johanna Deuke    

Sibylle Künzli Kläger

Vera Miesen  

Heidrun Schneider  

Tim Zosel


  • 1
    Bremer, Helmut; Teiwes-Kügler, Christel & Lange-Vester, Andrea (2019). Habitus-Hermeneutik. In R.-T. Kramer & H. Pallesen (Hrsg.), Lehrerhabitus. Klinkhardt, S. 263-284.