„Die Krawatte kehrt zurück“

Bardo Heger, politischer Jugend- und Erwachsenenbildner und langjähriger Studiengangskoordinator für Erziehungswissenschaft und Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Essener Fakultät für Bildungswissenschaften, blickt auf den Einsatz von Helmut Bremer für die Studierenden und die Zusammenarbeit mit ihm zurück.


Während ich – gut eine Woche nach der Deadline für diesen Artikel – darüber nachdenke, was ich zum „Abschieds-Blog für Helmut Bremer“ beitragen könnte, fällt mein Blick auf diese Überschrift in der Silvester-NRZ.1Gerke, Luca (2025-12-31). Die Krawatte kehrt zurück. Lange war sie von den Hälsen der Manager verschwunden, jetzt ist die Krawatte wieder zurück. Ihr Comeback ist Teil eines größeren Trends. Neue Ruhr-Zeitung. Na bravo – auch die noch! Als ob in letzter Zeit nicht schon genug zurückgekehrt wäre, was wir für endgültig erledigt hielten. Irgendwie hatten wir uns die Zukunft der Welt reichlich anders vorgestellt, damals, als wir noch ganz sicher waren, dass wir sie verändern werden. Versucht jedenfalls haben wir es, und wenn man – etwas bescheidener und mit einer gewissen trotzigen Altersmilde – auf das Erreichte zurückschaut, war es ja auch nicht nichts!

Einige Zahlen

Da wäre etwa der bundesweit einzige Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt Politische Erwachsenenbildung, den Du, lieber Helmut, zusammen mit Deinem großartigen Team über 34 Semester geprägt und vorangetrieben hast. Von den 190 Masterabsolventinnen und -absolventen, die diesen Schwerpunkt studiert haben, sollten doch zumindest einige mit dem, was sie bei Euch gelernt und diskutiert haben, etwas Sinnvolles anfangen und vielleicht sogar gesellschaftlich bewirken können. 160 Master- und 180 Bachelorarbeiten hast Du als Professor für Erwachsenenbildung, insbesondere Politische Bildung betreut, die ansonsten zu langweiligeren Themen verfasst worden wären. Und aus Deinen insgesamt 83 Seminaren, 17 Vorlesungen und 61 Kolloquien werden ein paar Studierende doch irgendetwas mitgenommen haben.

Seit Beginn …

Schon der Bericht der „Berufungskommission W3-Professur Erziehungswissenschaft – Erwachsenenbildung, insbesondere Politische Bildung erwähnt lobend, dass Dein Probevortrag „didaktisch versiert strukturiert und aufgebaut“ war, „anregend gestaltet“ und „eindrucksvoll die Forschungs- und Lehrkompetenz des Bewerbers“ belegte. Weiter heißt es im Bericht: „Positiv aus Sicht der Kommission war zu vermerken, dass der Vortrag mit großem persönlichem Engagement gehalten wurde und Herr Bremer in der anschließenden Diskussion durch flexibles und sachkundiges Eingehen auf die fachlichen Anmerkungen und Fragen aus dem Auditorium überzeugte, wobei auch in diesem Zusammenhang wieder seine gute Kenntnis der Studiengangsstrukturen an der Universität auffiel.“

… im Einsatz für Studierende

Dieses persönliche Engagement und das Interesse auch an Studiengangsstrukturen waren in den folgenden 17 Jahren stets spürbar und haben Dich als Kollegen ausgezeichnet. Schon nach einem halben Jahr hast Du den Vorsitz des Prüfungsausschusses übernommen und dann für viele Jahre ausgeübt – ungewöhnlich ausdauernd, wie mir noch einmal auffiel, als ich aus gegebenem Anlass die Fotos der Studienabschlussfeiern durchsah, auf denen Du ja in eben dieser Funktion als Prüfungsausschussvorsitzender regelmäßig die Titel der Abschlussarbeiten der anwesenden Absolventinnen und Absolventen vorgetragen hast. Der Zeitraffer macht deutlich, dass der Vorsitz in der Sozialen Arbeit während Deiner Amtszeit vier Mal wechselte. Für den „Studiengangskoordinator“ ist solche Konstanz sehr hilfreich – vorausgesetzt, die Zusammenarbeit verläuft derart reibungslos, „flexibel“ und „sachkundig“ (siehe Kommissionsbericht), wie ich das mit Dir erleben durfte.

„Eine Freude, mit Dir Geschäfte zu machen“

Ganz herzlichen Dank dafür und für vieles mehr: für Deine zuverlässige Erreichbarkeit auch in den späten Abendstunden und am Wochenende, für Deine Flexibilität bei der Lösung von „Stundenplanproblemen“, für Dein mikropolitisches Engagement in der Fakultät, die Mitarbeit bei der Studiengangentwicklung und überhaupt für Deine Bereitschaft, Dich auch für Dinge einzusetzen, die über Deinen unmittelbaren „Zuständigkeitsbereich“ hinausgingen. Nur am Rande sei erwähnt, dass in der ganzen Zeit nicht eine einzige Beschwerde „über Herrn Bremer“ bei mir angekommen ist.

Für all das nochmals herzlichen Dank! Es war wirklich eine Freude, mit Dir Geschäfte zu machen, und es war bisweilen beruhigend zu wissen, dass da in der zweiten Etage ein Kollege ist, mit dem man offen reden kann.

Eine Frage noch: Wenn ich es richtig sehe, liegt Haltern nicht nur am See, sondern auch etwa auf halber Strecke zwischen Münster und Essen. Kennst Du da eine brauchbare Kneipe in Bahnhofsnähe – möglichst ohne Krawattenzwang? Sachkundige Tipps von Mitlesenden werden gern entgegengenommen.

Alles Gute!
Bardo


Zum Autor

Bardo Heger wurde 1959 geboren. Er studierte in Marburg Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung/außerschulische Jugendbildung und arbeitete von 1998 bis 2007 als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Klaus Ahlheim. Von 2007 bis 2025 war er für die Koordination der Studiengänge Erziehungswissenschaft (B.A.) und Erwachsenenbildung/Weiterbildung (M.A.) an der Essener Fakultät für Bildungswissenschaften zuständig.

E-Mail: bardo.heger@uni-due.de

ausgewählte Publikationen

  • Ahlheim, Klaus & Heger, Bardo (2006). Wirklichkeit und Wirkung politischer Erwachsenenbildung. Eine empirische Untersuchung in Nordrhein-Westfalen. Wochenschau.
  • Ahlheim, Klaus & Heger, Bardo (2002). Die unbequeme Vergangenheit. NS-Vergangenheit, Holocaust und die Schwierigkeiten des Erinnerns. Wochenschau.
  • Ahlheim, Klaus & Heger, Bardo (1999). Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit. Handreichungen für die politische Bildung, 2. Auflage. Wochenschau.

Verweise

  • 1
    Gerke, Luca (2025-12-31). Die Krawatte kehrt zurück. Lange war sie von den Hälsen der Manager verschwunden, jetzt ist die Krawatte wieder zurück. Ihr Comeback ist Teil eines größeren Trends. Neue Ruhr-Zeitung.